Vorwahlen der Konservativen: Das Wichtigste nach dem 1. Wahlgang

Die Wähler haben gesprochen – und es gab drei Überraschungen zum 1. Wahlgang der Républicains, die es durchaus in sich hatten. Am kommenden Sonntag stehen sich zur Stichwahl nun Ex-Premierminister François Fillon (44,1 Prozent) und der Bürgermeister von Bordeaux und ebenfalls Ex-Premier Alain Juppé (28,6 Prozent) gegenüber. Nicolas Sarkozy ist gescheitert und kam nur auf 20,6 Prozent der Stimmen.

Das vorläufige Endergebnis (Stand 21.11., 9:00 Uhr)

  • François Fillon 44,1 %
  • Alain Juppé 28,6 %
  • Nicolas Sarkozy 20,6 %
  • Nathalie Kosciusko-Morizet 2,6 %
  • Bruno Le Maire 2,4 %
  • Jean-Frédéric Poisson 1,5%
  • Jean-François Copé 0,3 %

Die drei wichtigsten Erkenntnisse des Abends.

1. François Fillon hat die Nominierung praktisch sicher.

Vor Wochen noch eher unbeachtet, hat sich Fillon in den TV-Debatten als seriös und nicht streitlustig präsentiert – Journalisten sahen ihn meist als Gewinner der Rededuelle. Mit 44 Prozent der Stimmen hat der ehemalige „Mitarbeiter“ von Sarkozy ein deutliches Ergebnis eingefahren, wohl zusätzlich beflügelt von den letzten Umfragen. Da sich Sarkozy bereits per Rede an seine Wähler für Fillon ausgesprochen hat, dürfte die Nominierung und der zweite Wahlgang nur noch Formsache sein.

2. Die eigene Partei hat sich gegen Sarkozy gewendet.

Nicolas Sarkozy hat eigentlich zweimal in der Geschichte der Konservativen Erstaunliches vollbracht: 2007 übernahm er die UMP (Vorgängerpartei von Les Républicains) von Staatspräsident Jacques Chirac trotz beidseitiger Differenzen – früher endeten solche Auseinandersetzungen eher mit Parteienspaltungen und Neugründungen. 2014/2015 kehrte Sarkozy zurück und gestaltete die UMP, die sich nach 2012 in tiefer Spaltung befand, nach seiner Vorstellung um, mitsamt neuem Namen. Obwohl dies beste Voraussetzungen für eine erneute Kandidatur bedeuteten, haben Sarkozys zu tiefe Verbindung mit der 2012er Niederlage und seine häufigen Skandale Spuren hinterlassen.

3. Jean-François Copé total abgestürzt

Aus deutscher Sicht eher eine Randnotiz, aber bemerkenswert: Der ehemalige Parteivorsitzende Copé konnte nur 0,3 Prozent der Stimmen gewinnen. Fast genauso viele Leute wählten ungültig (und gaben dafür, nebenbei gesagt, zwei Euro aus). Copé dürfte unter anderem seine bizarre Äußerung auf die Füße gefallen sein, der normale Preis für ein Schokocroissant läge bei 15 Cents.

Fazit:

Frankreichs Konservative werden sehr wahrscheinlich 2017 François Fillon als Kandidaten aufstellen. Viele deutsche Beobachter freuen sich auf Twitter über ein Scheitern von Ex-Präsident Sarkozy, dem immer wieder vorgeworfen wurde, nahe an Positionen des Front National um Stimmen zu werben. Dabei vertritt auch Fillon innenpolitisch harte Maßnahmen, wie etwa eine deutliche Reduzierung von Einwanderung nach Frankreich, sowie strenge Sparmaßnahmen. Dazu mehr in dieser Woche auf diesem Blog.

(Fotoquellen:

François Fillon: Von Marie-Lan Nguyen – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9050525

Alain Juppé: By Foreign and Commonwealth Office – Flickr, OGL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41374840)

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