Fillons Sieg ist Le Pens Dilemma

Kaum überraschende Neuigkeiten aus den Reihen der französischen Konservativen. Wie ich es bereits in der vergangenen Woche vorhergesagt habe, ist François Fillon (Vorstellung hier) bei den Vorwahlen „der Rechten und der Mitte“ zum Präsidentschaftskandidat der Republikaner (Les Républicains) für die Wahlen im kommenden Jahr nominiert worden. Mit aktuell 66,5 Prozent kratzt er an der Zwei-Drittel-Mehrheit, während sein Kontrahent Alain Juppé gegenüber der Vorwoche kaum mehr Stimmen mobilisieren konnte (33,5 Prozent). Damit ergeben sich mehrere Schlussfolgerungen:

  • Fillon könnte Les Républicains einigen.

Nach der Abwahl von Nicolas Sarkozy als Staatspräsident 2012 waren die Konservativen gespalten – auch dank Fillons Aufspaltung der Parlamentsfraktion nach der hauchdünn verfehlten Wahl zum Parteivorsitzenden. Nun hat Fillon ein deutliches Ergebnis eingefahren – auch deutlicher als François Hollande bei seinen Vorwahlen der Parti Socialiste 2012 (56,6 Prozent gegenüber Martine Aubry) – das ist ein Zeichen dafür, dass die Partei sich vor den Wahlen geschlossen zeigen will.

  • Juppé hat die Mitte innerhalb der Partei überschätzt.

Alain Juppé hat sich ein Jahr lang als der sichere Gewinner gefühlt und verlor trotzdem. Ein französischer Clinton? Nein. Ich glaube an eine andere Erklärung: Juppé hat zwar viele Fürsprecher aus liberalen Kreisen und wirkt sogar auf Leute anziehend, denen 2012 Sarkozy eine zu rechte Rhetorik pflegte. Aber diese Wähler dürften sich nicht so stark Les Républicains verbunden fühlen, als dass sie an den Vorwahlen teilgenommen hätten. Die politische Mitte Frankreichs war immer dann am Sichtbarsten, wenn sie sich deutlich von UMP (Vorgängerpartei der Republikaner) abgrenzte.

  • Le Pen steht vor einem strategischen Dilemma.

Fillons Programm besetzt einige Punkte, die für potenzielle Wähler des rechtsextremen Front National attraktiv sind: Eine Annäherung an Putin, die Abschaffung des Adoptionsrechts für Homosexuelle, eine Verschärfung des Umgangs mit Islamisten. In der Parteizentrale des FN hatte man sich auf ein Duell mit Sarkozy oder Juppé vorbereitet – leichtere Gegner mit besseren Angriffspunkten. Für Fillon bliebe Marine Le Pen nur ein möglicher Weg zur Attacke: Eine eher linke Wirtschafts- und Sozialpolitik als Gegengewicht zu Fillons groß angelegten Sparplänen. Le Pens Problem: Um als Partei mit wirtschaftlicher Kompetenz wahrgenommen zu werden, bräuchte es Regierungserfahrung. Möglicherweise wird Le Pen nun sehr genau beobachten, was ab Januar in den USA passiert und dann das eigene Angebot als US-Import zu verkaufen versuchen.

  • Und trotzdem ist ein Sieg für Fillon kein Selbstläufer.

Die Schwäche der Linken (dazu folgt ein weiterer Text) verleiht Fillon automatisch das Prädikat des Favoriten. Aber bis zu den Wahlen kann noch viel passieren, wie auch Juppé es nun erlebt hat. Sollte Le Pen, die er laut einer aktuellen Umfrage für Public Sénat und LCP mit 67 Prozent zu 33 Prozent schlagen würde, aufholen, wird es gefährlich. Denn: Fillon ist Anhänger des sogenannten „Ni-Ni“, einer Strategie der Republikaner, sich bei Wahlen zu enthalten, in denen sich Kandidaten von Parti Socialiste und Front National gegenüberstehen. Juppé wäre es im Falle eines Duells mit Le Pen leichter gefallen, linke Wähler für den zweiten Wahlgang zu mobilisieren.

(Foto: Von Remi Jouan – Photo taken by Remi Jouan, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5405429)

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