Macrons Meeting: Die drei wichtigsten Erkenntnisse

Im Pariser Parc des expositions hat Emmanuel Macron seine Anhänger, die sich in der Bewegung En Marche ! zusammengefunden haben, zum heiß erwarteten ersten großen Meeting getroffen. Die drei wichtigsten Erkenntnisse in der Zusammenfassung:

1. Macron mobilisiert die Jugend.

Der erste Erfolg für den Ex-Minister, der Anti-Establishment sein will: Er versammelte rund 15.000 Anhänger zu seinem Wahlkampfauftritt. Zu einer Versammlung der Parti Socialiste und linker Klein-Parteien kamen an gleicher Stelle vor einer Woche nicht mehr als 2.500 Menschen. Die Tageszeitung Le Monde stellte dabei fest, dass überwiegend junge Menschen in der Halle waren. Das würde dem verbreiteten Klischee entsprechen, dass Macrons Wähler vor allem junge Menschen aus großen Städten sind.

2. Macrons Programm – mehr Kaufkraft, mehr Sicherheit, mehr Europa.

Auch wenn Macron nicht müde wurde, zu betonen, dass sein Programm nicht sein eigenes, sondern „unser“ (gemeint waren die zahlreichen Menschen in der Halle) sei, und dieses auch erst im Entstehen, gab es bereits wichtige neue Punkte zu verzeichnen. Macron möchte die Kaufkraft erhöhen, indem Arbeitnehmer keine Beiträge mehr für Arbeitslosen- und Krankenversicherung zahlen müssen. Stattdessen sollen diese Sozialleistungen über die Contribution Sociale Généralisée (CSG) finanziert werden. Das ist eine allgemeine Sozialsteuer, die auf alle Einkommensarten erhoben werden. Die Logik: Arme Menschen sollen entlastet werden, reichere sich stärker beteiligen. Spannend ist hingegen, dass Macron, anders als er es in früheren Interviews andeutete, nicht die 35-Stunden-Woche abschaffen möchte.

Auch in Richtung François Fillon hatte Macron deutliche Worte: Er kritisierte den geplanten Stellenabbau im öffentlichen Dienst. Stattdessen möchte Macron 10.000 neue Stellen in Polizei und Gendarmerie schaffen. Auch die Police de proximité, eine Art Konzept von polizeilicher Zusammenarbeit mit Bürgern von Kommunen zur Prävention von Kriminalität, will er wieder einführen. Sarkozy hatte diese als Innenminister ab 2003 abgeschafft.

Zuletzt bekannte sich Macron klar zu Europa – gerade in Frankreich, wo die Spaltung zwischen Euroskeptischen und Pro-Europäischen Parteien seit 2005 ein erheblicher politischer Faktor geworden ist, ist dies kein nebensächliches Statement.

3. Macron macht den Howard Dean.

All dies verblasst fast schon vor dem Ende von Macrons Rede, das in Frankreich zum viralen Video wurde:

Nicht wenige Beobachter fühlten sich an Howard Dean erinnert, der 2004 ein aussichtsreicher Kandidat der Demokraten in den Vorwahlen für das weiße Haus war, bis ihm das hier passierte:

Ob das Macron schaden wird, so wie damals Howard Dean? Eher nicht, denn 2016 bedeutet ein Video dieser Art einen medialen Buzz – ergo mehr Aufmerksamkeit und einen (noch) größeren Platz in den Medien. In diesem Sinne hat Macron gestern alles richtig gemacht – und wird der Parti Socialiste nun wirklich gefährlich.

(Foto: Screenshot – En Marche !/Facebook)

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