François Bayrou: Fillons Geheimwaffe gegen Macron?

Die französische Präsidentschaftswahl wird vom augenscheinlichen Gegensatz bestimmt, dass sehr viele Kandidaten ohne Aussicht auf eine spätere Wahl antreten. Dass Kandidaten von dritten Parteien außerhalb der großen linken oder großen rechten Partei Versuche unternehmen, liegt oft daran, dass sie sich durch spätere Wahlempfehlungen vor dem zweiten Wahlgang im Gegenzug Plätze am Regierungstisch oder Parlamentsmandate erhoffen.

Für Aufsehen sorgt derzeit, dass laut dem französischen Satireblatt Le Canard Enchaîné der konservative Kandidat François Fillon mit dem frühereb Präsidentschaftsbewerber François Bayrou einen Deal ausgehandelt haben soll, der vor allem einem anderen Wettbewerber schaden könnte: Emmanuel Macron.

François Bayrou: Frankreichs ewige Mitte.

François Bayrou war von 1993 bis 1997 Bildungsminister der konservativen Regierung unter Édouard Balladur und Alain Juppé. Er war damals Mitglied der etwas liberaleren UDF, die dennoch den Gaullisten des RPR nahe stand. Als 2002 die UMP als großes Sammelbecken aller konservativen und bürgerlich-liberalen Parteien entstand, blieb Bayrou seiner liberalen Vision treu. 2007 gründete er aus Teilen der UDF die neue Formation MoDem („Mouvement Démocrate„, dt. demokratische Bewegung), die sich klar vom rechten und linken Lager abgrenzte. Zuvor war Bayrou bei den Präsidentschaftswahlen 2007 ein Achtungserfolg gelungen: Er gewann im ersten Wahlgang über 18 Prozent der Stimmen und wurde Dritter. 2012 kam er noch auf knapp 9 Prozent, sorgte aber vor allem für Aufsehen, als er eine Wahlempfehlung für François Hollande aussprach – gegen das rechte Lager, mit dem bislang alle Parteien der Mitte assoziiert wurden.

Zwei mögliche Varianten

Für 2017 sagen viele Beobachter, dass Macron Bayrou den Rang als Gesicht der politischen Mitte Frankreichs streitig machen könnte – und sogar den Konservativen Stimmen abjagen könnte, da Macron mit wirtschaftlicher Kompetenz punkten will. Entsprechend liest sich Fillons mutmaßlicher Plan wie folgt: Sollte Bayrou nicht selbst als Kandidat antreten und er Fillon unterstützen, so soll es einen Wahlakkord geben, der MoDem genug Mandate bei den Parlamentswahlen sichert. Oder: Bayrou tritt selbst an und unterstützt im zweiten Wahlgang Fillon. Die zweite Variante soll Fillons bevorzugte sein, da Bayrou so direkt Macron im ersten Wahlgang Stimmen wegnehmen könnte.

Dementi und Ankündigung für Februar

Bayrou selbst dementierte in einem Interview mit RTL die Existenz jeglicher Deals oder Pläne dieser Art mit Fillon. Er kündigte zudem an, bis spätestens Anfang Februar über eine erneute Kandidatur zu entscheiden.

Meine Einschätzung

Sollte in diesen Meldungen ein Fünkchen Wahrheit stecken, wäre es Fillons Antwort darauf, ein Überlaufen möglicher bürgerlich-liberaler Wähler, die eigentlich Alain Juppé gewählt hätten, zu Macron zu verhindern. Es zeigt in gewisser Weise auch, dass Fillon in seinem Programm für diese Wähler noch kein attraktives Angebot vorzuweisen hat.

Für Bayrou bedeutet eine dritte Kandidatur ein Risiko – landet er im ersten Wahlgang hinter Macron, worauf sehr vieles hindeutet, wäre das sein erzwungenes Karriereende in der Politik. Denn er müsste für ein respektables Ergebnis zumindest sein altes Dogma, nicht zu eng mit der französischen Rechten zu kooperieren, aufgeben.

(Foto: By Jackolan1 – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18673565)

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