Macron holt in Umfragen auf

Der ehemalige Wirtschaftsminister Emmanuel Macron (hier gibt es das ausführliche Portrait) entwickelt sich laut einer aktuellen Umfrage des Instituts Elabe zu einer ernsthaften Gefahr für François Fillon und Marine Le Pen. Die Befragung, die im Auftrag für Les Echos und Radio Classique durchgeführt wurde, sieht Macron in allen möglichen Wahlkonstellationen mindestens auf dem dritten Platz, mit Gewinnen gegenüber dem Dezember. In einer Konstellation sagt das Institut Macron derzeit sogar einen Platz vor Le Pen voraus.

Warum gibt es mehrere Ergebnisse für eine Umfrage?

Vielleicht verwirrt es an dieser Stelle, wenn ich von unterschiedlichen Ergebnissen und Konstellationen spreche. Das liegt daran, dass bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich, anders als etwa bei einer Bundestagswahl in Deutschland, Anfang Januar noch nicht alle Kandidaten feststehen. Die regierende Parti Socialiste kürt ihren Kandidaten Ende Januar, der Zentrist François Bayrou will erst Anfang Februar entscheiden, ob er ein drittes Mal antritt. Entsprechend hat Elabe mit verschiedenen Konstellationen gearbeitet – mit unterschiedlichen sozialistischen Kandidaten, sowie mal mit, mal ohne Bayrou.

Wann wird Macron besonders stark?

Zunächst lässt sich feststellen, dass Macron, der sich selbst weder links, noch rechts einordnet, von einer Abwesenheit Bayrous stark profitieren würde. In Konstellationen ohne Bayrou holt Macron je nach sozialistischem Kandidaten zwischen 18 und 24 Prozent der Stimmen. Macron würde ohne Bayrou derzeit sogar als Kontrahent von Fillon in den zweiten Wahlgang einziehen, wenn die PS den linken Ex-Minister Arnaud Montebourg zum Kandidaten bestimmt. Macron sieht allerdings gegen alle sozialistischen Kandidaten gut aus und landet stets vor ihnen – allerdings ist der Abstand zu Manuel Valls in den Umfragen geringer als zu anderen PS-Mitgliedern.

Wann wird Macron schlechter abschneiden?

Die Gerüchte, dass der konservative Bewerber Fillon gerne Bayrous Kandidatur als Macron-Stopper nutzen würde, bekommen mit der Umfrage zumindest eine klare Berechtigung. In jedem Fall würde Macron Prozente verlieren. Besonders dann, wenn Macrons Gegner Valls und Bayrou hießen, bliebe der Gründer der Bewegung „En Marche !“ zwar auf dem dritten Platz, wäre mit 16 Prozent aber nicht mehr in Schlagweite zu Marine Le Pen. Und diese Konstellation ist zum jetzigen Zeitpunkt durchaus möglich, wenn nicht gar wahrscheinlich.

Das Problem mit den Umfragen

Entsprechend muss auch die Umfrage etwas relativiert werden: Auch wenn es derzeit nach einem engen Rennen zwischen Fillon und Le Pen, sowie einem Aufstreben Macrons aussieht – in den derzeitigen Befragungen spielt noch an vielen Stellen das Wörtchen „wenn“ eine Rolle. Und auch der Umschwung bei den konservativen Les Républicains von Alain Juppé zum späteren Gewinner Fillon zeigte sich erst in den letzten Umfragen vor dem ersten Wahlgang. Sprich: Die spannenden Wahlumfragen gibt es ab Februar, wenn klar ist, wer die Sozialisten vertritt, und ob Bayrou den dritten Anlauf wagt.

Foto: Gouvernement français, Lizenz: CC BY-SA 3.0 fr, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35463584

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