Benoît Hamon – der lachende Dritte?

Die Primaires citoyennes, die Vorwahlen der französischen Sozialisten, haben einen mühsamen Start erwischt. Die anderen großen politischen Strömungen Frankreichs haben bereits ihre Kandidaten gekürt und können wahlweise schon das eigene Programm bewerben, als auch auf die Gegner eindreschen. Da vor dem 29. Januar noch kein Nachfolger für François Hollandes Rolle als Kandidat der Parti Socialiste (PS) feststehen wird, wird sich noch innerhalb der eigenen Partei gestritten. Vor allem zwischen Ex-Premierminister Manuel Valls und Ex-Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg spielte sich bislang das Geschehen ab, doch ein dritter Mann mischt die Vorwahlen nun ordentlich auf: Benoît Hamon.

Hamon – Rebell gegen die eigene Partei

Hamon, 1967 nahe Brest geboren, ist schon mit 19 Jahren der PS beigetreten und hat sich früh als Parteilinker positioniert. 1993 gründete er das „Mouvement des Jeunes Socialistes“ (Bewegung der Jungsozialisten) als eigenständige Jugendorganisation der Partei. 2003 gründete er mit seinen heutigen Konkurrenten Montebourg und Peillon die „Nouveau Parti Socialiste„, eine parteiinterne Strömung, die sich gegen den Sozialliberalismus stellte den linken Parteiflügel bildete. Von 2004 bis 2009 war Hamon Mitglied des Europaparlaments. Nach der Wahl zum Abgeordneten 2012 trat er als beigeordneter Minister für soziale Ökonomie in die Regierung unter Jean-Marc Ayrault ein. Nach einer Umbildung wurde er 2014 zum Bildungsminister ernannt, verließ die Regierung Valls aber nach nur vier Monaten im Amt aus Protest gegen die zu liberale Wirtschaftspolitik, gemeinsam mit Montebourg. Seither ist er nunmehr Abgeordneter für Yveslines und Regionalrat in der Île-de-France.

Aus dem Schatten Montebourgs getreten

Bereits im August 2016 kündigte Hamon seine Kandidatur bei den linken Vorwahlen an und war ob der inhaltlichen Gemeinsamkeiten mit Montebourg lange eher wenig beachtet worden. Dies änderte sich aber Anfang Dezember mit einem vielbeachteten Auftritt in der Talksendung „L’Émission politique“. Dort präsentierte Hamon nicht nur seine programmatischen Schwerpunkte, sondern schaffte es auch, einerseits inhaltliche Überschneidungen mit dem Programm von Ex-Sozialist Jean-Luc Mélenchon und Kontrahent Montebourg zu verteidigen, sich aber auch von deren Euroskepsis zu distanzieren. „Der Protektionismus entfaltet sich an Europas Außengrenzen„, und nicht innerhalb des Binnenmarkts, so Hamon.

750 Euro im Monat für alle Franzosen

Seit Wochen treibt Hamon außerdem mit einem wichtigen Angebot an seine Wähler sämtliche Konkurrenten vor sich her und bestimmt den Diskurs: Das universelle Grundeinkommen. Hamon möchte dies zunächst vor allem jungen (zwischen 18 und 25 Jahren), sowie bedürftigen Franzosen (Monatseinkommen unter 2000 Euro netto), zum Ende der fünfjährigen Amtszeit 2022 allen Franzosen zukommen lassen. Die Höhe: 750 Euro. Er möchte damit vor allem mehr sozialen Ausgleich schaffen, aber auch das Verhältnis zur Arbeit neu definieren.

Finanziert werden soll das Grundeinkommen vor allem aus einer Steuer auf Roboter. In Unternehmen, in denen menschliche Arbeitsplätze von Maschinen weggefallen sind, möchte Hamon, dass auf der Grundlage eines virtuellen Gehalts für die Maschine eine Abgabe berechnet wird. Zudem kritisiert Hamon den Glauben an ein stetiges und unendliches Wirtschaftswachstum und setzt sich für eine leichtere Anerkennung des Burnout-Syndroms als Krankheit ein.

Der Fillon-Effekt?

Dies hat Hamon den stärksten Aufschwung aller Kandidaten bei den linken Vorwahlen beschert. Im Dezember lag er mit elf Prozentpunkten klar hinter Valls und Montebourg. Neuere Umfragen sehen Hamon  ihn bei 21 bis 23 Prozent und damit zwar noch auf dem dritten Platz, aber in Lauerstellung zum bisherigen Zweitplatzierten Montebourg. Hamon findet vor allem bei jungen Sozialisten Anklang, die Valls nicht als glaubwürdigen Vertreter linker Werte sehen. Er gibt sowohl Fußballzeitschriften, als auch im Kebap-Laden Interviews und scheint damit zu eben diesen jungen Franzosen den Zugang zu finden, nach dem Valls und Montebourg noch suchen.

Heute Abend wird für Hamon und die sechs anderen Kandidaten der Vorwahlen das Fernsehen zur Arena. Schafft es der ehemalige Bildungsminister sich hier als souverän und staatsmännisch zu verkaufen, könnte er – wie François Fillon bei den Konservativen – den beiden Favoriten immer noch die Show stehlen.

Foto: Marion Germa, Lizenz: CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51001055

Advertisements

2 Gedanken zu “Benoît Hamon – der lachende Dritte?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s