#PrimaireLeDebat: Keine Gewinner, ein Alleinunterhalter

Die erste von insgesamt drei TV-Debatten zwischen allen sieben Kandidaten der Kandidaten zur Vorwahl der Parti Socialiste hat auf den Sendern TF1 und RTL stattgefunden. Schon jetzt dürfen sich Beobachter fragen: Warum braucht es noch zwei weitere davon? Und wie wollen die Kandidaten der Sozialisten den Kontrahenten links (Jean-Luc Mélenchon) und rechts (Emmanuel Macron) der Partei etwas entgegen setzen? Fünf Erkenntnisse des Abends.

1. Möglicherweise sind sieben Kandidaten für eine Vorwahl zu viel.

Das Format mit fester Redezeit soll natürlich für Gleichheit zwischen den Kandidaten sorgen. Tatsächlich ist der Eindruck bei sieben Kandidaten aber – zu viele inhaltliche Überschneidungen, zu wenig offene Reibungen, da man dem gleichen politischen Lager angehört. Die Debatte wirkte eher verkrampft und behäbig, hinter jedem „Meine Freunde haben meine Ideen ja auch bereits aufgegriffen“ oder „Ich unterstütze voll den Kurs, den der Premierminister angestoßen hatte“ steckten verkrampfte Gesichtszüge. Nein, für den Zuschauer war so viel Übereinstimmung und so wenig offene Unterschiede kein großer Spaß und erst recht keine Wahlhilfe.

2. Vincent Peillon gefällt den Journalisten aus nostalgischen Gründen.

Nach der ersten Hälfte der Sendung und auch zum Schluss war der studierte „Philosoph“ und Ex-Bildungsminister Vincent Peillon Favorit der Journalisten. Der Kandidat, der in aktuellen Umfragen nur auf dem vierten Rang liegt, punktete mit staatsmännischem Auftreten, aber auch Kampfbereitschaft gegenüber Fillon und Le Pen. In der zweiten Hälfte ließ er sich aber zu einem Lapsus hinreißen („origine muselman“ – muslimische Abstammung, die fälschlicherweise Religion mit einer geographischen Herkunft vermischt), der einem Vertreter des Laizismus so nicht passieren darf. Dass der Enkel von Léon Blum immer wieder auf die großen Denker der PS hinwies, verdeutlicht gleichermaßen Segen und Fluch Peillons: Für die Journalisten sprach der intellektuell wirkende Kandidat große Gefühle und Sehnsüchte nach den alten Zeiten der französischen Sozialisten an – tatsächlich überspielt das aber auch die fehlende programmatische Brillanz des Europaabgeordneten. Viel mehr als Nostalgie war da nicht – und auch das Angebot, mit Montebourg und Macron zu reden, wirft sicher Fragen auf.

3. Arnaud Montebourgs mangelnde Schengenkenntnisse.

Montebourg packte zum Thema Terrorismus einen Klassiker der Konservativen aus: Der Berliner Attentäter konnte unbehelligt über halb Europa von Deutschland nach Italien reisen, also müssen wir Schengen reformieren und die inner-europäischen Grenzen wieder sichern. Denn es werde ja kaum noch kontrolliert. Das Geniale an Montebourgs Vorschlag: Er wird schon längst praktiziert, auch ohne Schengen-Reform. Was zeigt: In Livesendungen offenbaren sich Fehler deutlicher als in Programmen.

4. Benoît Hamon nimmt den Schwung nicht mit.

Der Überraschungskandidat der letzten Wochen dachte, dass er gleich in der ersten lockeren Fragerunde, in der seine Kontrahenten beschlossen, auf Pathos zu setzen, gleich sein universelles Grundeinkommen als großes Ausrufezeichen setzen könnte. Leider eine zu vorhersehbare Idee, die auch die Konkurrenz und vor allem die Journalisten durchschauten. Entsprechend musste Hamon viel erklären, verlor dadurch Redezeit und konnte nicht wirklich einfach oder einleuchtend wirken.

5. Ohne Jean-Luc Bennahmias wäre gar nichts los.

Wenn es wenigstens einen Kandidaten gab, der auffiel, dann war es Jean-Luc Bennahmias, den Ex-Grünen und Ex-MoDem-Politiker, der sich in der Rolle als „kleiner Mann“ gefiel und sich mit den Journalisten anlegte, als diese etwas genauer als er Bescheid wussten, was auf seiner Internetseite geschrieben steht. Die Internetnutzer hatten ihren Spaß, erhoben den Vorsitzenden des Front démocrate zum Internetmeme, verglichen ihn wahlweise mit Bourvil oder Benoît Poelvoorde. Seine Punchline am Ende des Abends: „Wir sind sieben kleine Kandidaten.“

Foto Credits:

Jean-Luc Bennahmias. Foto: Matthieu Riegler, CC-by [CC BY 3.0 ou CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Benoît Hamon. Foto: Marion Germa [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Vincent Peillon. Foto: By Rectorat45 (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons

Sylvia Pinel. Foto: By Ygor75 (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Manuel Valls. Foto: By Kommunikation BMW Stiftung Photographer: Lorenz Böck (Own work) [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

François De Rugy. Foto: Par FDR – François de Rugy (Flickr: DERUGY111025_013) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Arnaud Montebourg. Foto: By Traeb (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

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