Hamon landet vor Valls

Beim ersten Wahlgang der französischen Sozialisten hat sich der Trend der letzten Wochen bewahrheitet: Der linke Ex-Bildungsminister Benoît Hamon hat nach ersten Zählungen mit 36 Prozent der Stimmen am Stärksten abgeschnitten. Der ehemalige Premierminister und Parteirechte Manuel Valls wurde mit 31,5 Prozent Zweiter, Arnaud Montebourg ist wie 2011 auf dem dritten Platz gelandet und ausgeschieden (17,7 Prozent). Hamons Sieg im zweiten Wahlgang dürfte nicht aufzuhalten sein.

Montebourg unterstützt Hamon

Damit dürfte Valls Opfer seiner eigenen, kuriosen Kampagne geworden sein. Seit seinem Rücktritt im Dezember hatte er versucht, vor allem soziale Themen zu besetzen und in einigen Fragen – etwa dem Einsatz des Verfassungsparagrafen 49.3 – eine Wendung um 180 Grad vollzogen. Dies wurde von Gegnern als unglaubwürdig eingestuft. Erst in der letzten Woche schien Valls sich zum eigenen politischen Erbe aus der Regierungszeit bekennen zu wollen und wirkte glaubwürdiger.

Der sichere Präsidentschaftskandidat der Sozialisten dürfte aber nun Hamon sein. Der Parteilinke war im Windschatten des ebenfalls linken Montebourg in die Kampagne gestartet, konnte sich aber mit seinem Kernthema, dem universellen Grundeinkommen, von ihm absetzen. Montebourg steht inhaltlich Hamon nahe und hat mit ihm gemeinsam 2014 die Regierung aus Protest gegen den Wirtschaftskurs von Valls verlassen. Montebourg rief seine Anhänger zur Wahl Hamons am kommenden Sonntag auf. Diese dürften diesem Aufruf überwiegend folgen, was Valls‘ Niederlage besiegeln würde.

Der Rest: Abgeschlagen

Valls dürfte selbst eine Unterstützung der anderen Kandidaten wenig helfen. Der Europaparlamentarier Vincent Peillon kam auf knapp 6,77 Prozent, der Grüne François de Rugy auf 3,77, die eher liberale Sylvia Pinel auf zwei und Jean-Luc Bennahmias auf ein Prozent der Stimmen. Von diesen Kandidaten dürften höchstens de Rugy und Pinel als Unterstützer von Valls in Frage kommen.

Nutznießer Macron

Sollte tatsächlich statt Valls nun Hamon unter der Flagge der Parti Socialiste zur Präsidentschaftswahl antreten, gab es heute einen weiteren Gewinner: Emmanuel Macron. Der parteilose Ex-Wirtschaftsminister würde laut aktuellen Umfragen dann bei den Wahlen stärker abschneiden, da viele Valls-Wähler eher Macrons Programm unterstützen. Allerdings kann auch diese Prognose sich noch umkehren: Mit Hamon und Fillon haben die Vorwahlen der beiden großen Parteien Frankreichs gezeigt, wie schnell eine Kandidatur eine ganz eigene Dynamik gewinnen kann. Sprich: Sobald die PS ihren Kandidaten hat, könnte auch noch Macron Stimmen an diesen verlieren.

Mehr zum Thema: Benoît Hamon – Der lachende Dritte?

Fotos:

Benoît Hamon: Marion Germa [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons

Manuel Valls: Par Jackolan1 (Travail personnel) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

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