Hamon gewinnt – Rot-Rot-Grün à la française?

Es war wirklich kein überraschendes Votum: Der linke Kandidat hat die linken Vorwahlen gewonnen. Mit etwa 58,7 Prozent der Stimmen hat Benoît Hamon Manuel Valls, der nur 41,3 Prozent der Wähler erreichte, geschlagen. Damit ist Hamon der Kandidat der noch regierenden Parti Socialiste bei den kommenden Präsidentschaftswahlen. Drei wichtige Beobachtungen zum Wahlabend:

Hamon sucht den Kontakt zu Jadot und Mélenchon.

Kaum war der Parteilinke Hamon gewählt, schon kündigte er in einer Rede an, auch seine Hand in Richtung anderer linker Kandidaten wie dem Grünen Yannick Jadot und dem Linksaußen Jean-Luc Mélenchon ausstrecken zu wollen. Ein spannender Schachzug, der an die deutschen Diskussionen über Rot-Rot-Grün erinnert und auch zumindest insofern passt, da Hamon viele programmatische Überschneidungen mit Mélenchon aufweist – was dieser in einem Facebook-Beitrag feststellte. Um die Chancen auf den zweiten Wahlgang zu steigern, müssten sich aber am besten alle drei auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Ob das passiert, ist fraglich.

Die Parteispitze hat sich von der Basis entfernt.

Manuel Valls konnte im Gegensatz zu seinem Gegner Hamon auf die Unterstützung fast aller wichtiger Minister (mit Ausnahme von Ségolène Royal) setzen. Viel gebracht hat es nicht. Dass sich Valls in seiner Selbstwahrnehmung sehr von der Basis der linken Wählerschaft entfernt hat, zeigen nicht nur seine Absagen an viele junge TV- und Internet-Formate wie Quotidien (die sein Konkurrent allesamt besuchte), sondern auch in einzelnen Ergebnissen. In den banlieues der linken Hochburg Lille kam Valls teilweise nur auf 20 Prozent der Stimmen – das spricht Bände über die Entfremdung zwischen Regierung und Stammwählern.

(Noch) bleibt der große Andrang in Richtung Macron aus.

Viele Beobachter rechneten eigentlich schon vor dem zweiten Wahlgang angesichts der relativ sicheren Nominierung Hamons mit einem massiven Exodus an linksliberalen PS-Mitgliedern zu Emmanuel Macron. Bislang bleibt dieser aber aus. Es hat sich nur ein Hinterbänkler der Assemblée Nationale für Macron ausgesprochen, auch von Ségolène Royal, die als mögliche Überläuferin gilt, war nichts zu vernehmen. Einige Prominente Minister haben schon Hamon ihre Unterstützung zugesichert. Möglich, dass sich viele Überläufer noch Zeit lassen – oder dass es sie vielleicht gar nicht gibt.

Foto: Marion Germa, Lizenz: CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51001055

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