Stürzt Fillon über #PenelopeGate?

Die Affäre um mutmaßliche Gefälligkeitsjobs für die Ehegattin von François Fillon reißt nicht ab. Eine Woche nach den Enthüllungen von Le canard enchaîné legt die morgige Ausgabe des Blattes nach: Nicht 500.000 Euro, sondern mehr als 900.000 Euro habe Penelope Fillon als parlamentarische Assistentin ihres Mannes, als Mitarbeiterin von dessen Nachrücker Marc Joulaud und als Beraterin für  die Zeitschrift Revue des deux mondes verdient. Fillons Glaubwürdigkeit befindet sich im freien Fall.

Zweifel an Fillons Geschichte

Die Recherchen des canard legen den Verdacht nahe, dass Penelope Fillon nicht tatsächlich als parlamentarische Assistentin gearbeitet hat. Jahrelang hat sich die gebürtige Waliserin aus der politischen Arbeit ihres Mannes weitestgehend herausgehalten, dies auch bei öffentlichen Auftritten meist betont. Dieses Bild versucht Fillon nun zu korrigieren – sie sei stets seine Mitarbeiterin gewesen, habe dies immer freiwillig getan und sei 1997 dann parlamentarische Mitarbeiterin geworden, nachdem eine andere Mitarbeiterin Fillons Team verlassen habe. Das Problem an dieser Aussage: Nach neuen Erkenntnissen habe Penelope Fillon bereits von 1988 bis 1990 für ihren Mann als Mitarbeiterin gearbeitet.

Viele Ungereimtheiten

Erschwert wird die Verteidigungsstrategie durch weitere Details, die ungewöhnlich sind: Die fehlende Präsentation von Penelope Fillon als Mitarbeiterin auf Webseiten, das ungewöhnlich hohe Gehalt von 7900 Euro im Monat, als sie für Marc Joulaud arbeitete (im Schnitt verdienen parlamentarische Mitarbeiter mit Vollzeitstelle 2400 Euro im Monat), das Fehlen eines Wahlkreisbüros. Laut Fillons Anwalt war dieses nämlich im Anwesen der Familie. Dass François Fillon zudem in seiner Zeit als Senator Aufträge an die eigenen Kinder vergab, die sich damals noch im Jurastudium befanden, ist nur eines von vielen Details, die Franzosen an der Aufrichtigkeit des Kandidaten zweifeln lassen. Inzwischen wird aufgrund des Anfangverdachts der Veruntreuung öffentlicher Gelder ermittelt.

Was könnte passieren?

In Deutschland würde ein Kandidat vermutlich derartige Enthüllungen politisch nicht überstehen und müsste sich zurückziehen. In Frankreich hat die Geschichte hingegen gezeigt, dass Politiker hier eher Skandale überstehen können. Tatsächlich stellt sich aber im Falle Fillons die Frage: Was passiert, wenn er seine Kandidatur zurückzieht? Dann bräuchten Les Républicains trotz Primaires im November einen neuen Kandidaten. Der Zweitplatzierte Alain Juppé hat schon bekanntgegeben, nicht zur Verfügung zu stehen. Nicolas Sarkozy wird auch eher nicht zurückkehren. Würde die Parteispitze zusammenkommen und einen neuen Kandidaten bestimmen, müssten Absprachen mit anderen Parteien wie UDI neu verhandelt werden.

Die Zeit drängt allerdings. Bis zum 17. März müssen alle Kandidaten ihre 500 parrainages abgeben, die „Patenstimmen“, ohne die sie nicht zur Wahl zugelassen werden. Sprich: Je später ein Rückzug, umso größer die Gefahr für die Konservativen, auf einmal keinen Kandidaten präsentieren zu können. Deshalb ist nicht ausgeschlossen, dass Fillon den Skandal einfach aussitzt. Dann muss er im Wahlkampf allerdings seine Strategie ändern. Denn bisher präsentierte Fillon sich als „candidat de la vérité„. Als Kandidat der Wahrheit.

Fotos:

Penelope Fillon – By flickr : bruno_le_maire [CC BY 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0)%5D, via Wikimedia Commons

François Fillon – By World Economic Forum [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

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3 Gedanken zu “Stürzt Fillon über #PenelopeGate?

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