Die Krise der Republikaner

Seit fast 14 Tagen beherrscht die Frage um die Tätigkeit von Penelope Fillon als Assistentin ihres Mannes François, Präsidentschaftskandidat der Républicains, die Zeitungen, im Schlepptau des Hauptskandals haben sich nun viele weitere Fragen angesammelt. Juristisch geht es zunächst um die Frage: Hat Penelope tatsächlich gearbeitet, so wie ihr Gatte es beteuert, oder doch nicht, so wie sie es selbst in einem Interview 2007 andeutete? Moralisch geht es hingegen um die Frage: Kann jemand, der sich „Kandidat der Wahrheit“ nennt, nach diesen Enthüllungen tatsächlich glaubhaft als Präsident agieren?

Frankreichs langer Atem

In Deutschland hätte eine Krise diesen Ausmaßes wohl keine zwei Wochen angedauert. Längst hätte der Kandidat seinen Rückzug angekündigt, um Schaden von seiner Partei abzuwenden und seinem Nachfolger die Chance auf den Sieg zu wahren. Frankreich funktioniert anders. Wahlen sind hier schon länger personalisiert, die Rolle der Parteien eher schwach. Skandale gibt es nicht wenige, aber sie haben seltener die Tendenz, politische Karrieren zu beenden. Sie drücken vielmehr auf eine „Pausieren“-Taste, Rückkehren von skandalumwitterten Persönlichkeiten sind möglich.

Fillon setzt nun auf diesen langen Atem der Franzosen mit ihren Politikern. Er verkündete am Montag, seine Kandidatur aufrecht zu erhalten. Er sei von Millionen Franzosen gewählt worden, zudem sei die Arbeit seiner Frau legal gewesen. Es gebe keinen Plan B, sondern nur seine Kandidatur. Entsprechend versuchen Fillons Unterstützer die Berichterstattung über den Skandal als mediale Hexenjagd zu kennzeichnen. Bislang mit wenig Erfolg.

Juppé will nicht

Dabei ist die Krise längst nicht eine, die nur Fillon betrifft. Sie hat auch das komplette Lager zwischen der Mitte und dem Front National übernommen. Alain Juppé, der Zweitplatzierte der Konservativen bei den Vorwahlen, hat erneut bekräftigt, Fillon nicht ersetzen zu wollen. Diese Option, die von diversen Parteimitgliedern unterstützt wurde, ist nun vom Tisch – zieht man sie dennoch, etwa falls Anklage gegen Fillon erhoben wird, ist die Kandidatur Juppés beschädigt.

Sarkozy kommt nicht in Frage

Der Drittplatzierte Sarkozy, der inhaltlich näher an den Forderungen seines ehemaligen Premierministers Fillon ist, scheidet als Konsens-Kandidat ebenfalls aus. Die Affäre Bygmalion ist zurück, 2012 soll Sarkozy als Kandidat das erlaubte Limit an Wahlkampfmitteln überschritten haben. Ein Untersuchungsrichter möchte ihn anklagen.

Damit ist Plan A noch nicht vom Haken, ein Plan B mit Juppé unwahrscheinlich und ein Plan C mit Sarkozy unglaubwürdig. Dass ein Hinterbänkler der Partei zudem in russischen Medien offen über ein homosexuelles Doppelleben Emmanuel Macrons spekuliert, passt in das eher bescheidene Bild, dass die Republikaner abgeben, bestens hinein.

Ein Spiel auf Zeit

Fillons Kampfansage an die Medien bleibt somit vielleicht sogar die logischste Lösung aus Sicht der französischen Konservativen. Bis zum Wahltermin sind noch mehrere Wochen – und sollten die Ermittlungen im Sande verlaufen oder sogar eingestellt werden, könnte es zumindest einige Konservative und Liberale wieder mit an Bord holen. Kommt es aber noch zur Anklage vor dem 17. März, dem Tag, an dem alle Kandidaten ihre 500 Unterschriften von Gewählten einreichen müssen, hat sich das Thema eines Kandidaten für Les Républicains möglicherweise erledigt.

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3 Gedanken zu “Die Krise der Republikaner

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