Bayrou umwirbt Macron

François Bayrou hat Emmanuel Macron ein öffentliches Angebot zur Zusammenarbeit gemacht. Der Präsident der liberalen Partei Mouvement démocrate (MoDem) würde demnach auf eine eigene Kandidatur bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen verzichten, sollte Macron in sein Programm einige Forderungen von Bayrous MoDem übernehmen. Am 2. März will der ehemalige Wirtschaftsminister und Gründer von En Marche ! sein Programm vorstellen.

Neues Transparenz-Gesetz für Politiker

Der wichtigste Punkt, den Bayrou in Macrons Programm sehen möchte, ist ein Gesetz („loi sur la moralisation de la vie publique“) für die französische Politik, das künftig Interessenskonflikte von Politikern abwenden und somit mehr Transparenz schaffen soll. Dies ist ein direkter Angriff auf François Fillon, dessen Reputation als „Kandidat der Wahrheit“ durch die Affäre um eine mutmaßliche Scheinarbeit seiner Ehefrau schaden genommen hat. Bayrou griff den Republikaner und dessen Programm mehrfach an und nannte es „gefährlich“.

Tatsächlich wurde ein solches Gesetz bereits 2013 als Reaktion auf die Affäre um den ehemaligen Budgetminister Jérôme Cahuzac eingeführt, der Steuern hinterzogen hatte. Tatsächlich möchte Bayrou wohl nun eher gegen die Beschäftigung von Familienmitgliedern als Mitarbeitern von Abgeordneten vorgehen.

François Bayrou – liberales Phänomen Frankreichs

Der Bürgermeister von Pau galt vor Macron als der wichtigste liberale Kopf Frankreichs. Bei seiner zweiten Präsidentschaftskandidatur 2007 sorgte er für Aufsehen, als er stolze 18 Prozent im ersten Wahlgang bekam und Dritter hinter Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal wurde. 2012 brach der einstige Minister der konservativen Regierungen Balladurs und Juppés mit den Konventionen und sprach sich indirekt für eine Wahl des linken Kandidaten François Hollande aus. Bayrou wird stets eine wichtige Rolle als Königsmacher vor Wahlen zugeschrieben. 2016 hatte er zunächst Alain Juppé bei den Vorwahlen der Republikaner unterstützt. Damals verglich er Macron im Übrigen noch mit Sarkozy und urteilte, dass er sich nicht in dessen Gesellschaftsprojekt „wieder erkenne“.

Update 18:15 Uhr: Emmanuel Macron hat das Angebot von Bayrou akzeptiert:

Fotos:

François Bayrou: By Jackolan1 – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18673565)

Emmanuel Macron: OFFICIAL LEWEB PHOTOS [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

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