Endstation Trocadéro?

Für François Fillon bahnt sich ein Endspiel an. Von einer Vielzahl früherer Unterstützer fallen gelassen, möchte der konservative Präsidentschaftskandidat am Sonntag seine Kampagne retten, indem er zeigt: Zur Not bekomme ich auch ohne die Partei genug Unterstützung. Einige Fragen und Antworten zur aktuellen Lage.

Warum wird Fillon fallen gelassen?

Im Zuge der Enthüllungen des canard enchaîné ist der Verdacht aufgekommen, François Fillon habe seine Frau Penelope mit einer Scheinbeschäftigung als Mitarbeiterin am Parlament ausgestattet, um sich an öffentlichen Geldern zu bedienen. Am 26. Januar erklärte Fillon, dass er seine Kandidatur zurückziehen werde, sollten gegen ihn Ermittlungen aufgenommen werden. Seit dem 1. März ist bekannt, dass es eine Vorladung für den 15. März gibt und dann ein Verfahren gegen Fillon eröffnet werden soll. Fillon möchte trotzdem an der Kandidatur festhalten – andere Konservative sehen das als Wortbruch.

Wer hat Fillon fallen gelassen?

Libération hat eine Übersichtsseite eingerichtet, die alle Persönlichkeiten der Konservativen sammelt, die sich von Fillon abgewendet haben. Am Samstag, dem 4. März, sind das schon fast 200 Namen, darunter auch prominente Vertreter wie Bruno Le Maire, der Fillon in den deutsch-französischen Beziehungen beraten hat, sein Kampagnensprecher Thierry Solère, sein Kampagnendirektor Patrick Stefanini, der sich am Sonntag zurückziehen will. Auch die liberale Partei UDI möchte Fillons Rückzug. Allerdings: Seine ehemaligen Mitbewerber Nicolas Sarkozy und Alain Juppé vermeiden bislang öffentliche Äußerungen.

Könnte Juppé einspringen?

Die Gerüchte um den Bürgermeister von Bordeaux, die bei den Vorwahlen Zweiter wurde, reißen nicht ab. Laut Umfragen könnte der liberal-konservative Ex-Minister sogar Emmanuel Macron schlagen, allerdings scheint Sarkozy diesen Plan B abzulehnen. Inhaltlich steht Sarkozy seinem ehemaligen Premierminister Fillon nahe. Zudem müsste ein neuer Kandidat bis zum 17. März, 18 Uhr, die 500 nötigen Unterstützerunterschriften vorweisen können – und seine Kandidatur erklären.

Fillon hat bereits über 1100 Unterschriften beisammen. Kann man die auf einen neuen Kandidaten übertragen?

Nein, das geht nicht. Wer seine Unterschrift für Fillon abgegeben hat, kann seine Meinung nicht mehr ändern. Als einziger potenzieller Präsidentschaftskandidat hat Fillon das Minimum an geforderten Unterschriften bereits deutlich erfüllt:

https://presidentielle2017.conseil-constitutionnel.fr/embeded/parrainages-par-candidat/

Wie möchte Fillon nun seine Kampagne retten?

Am Sonntag, den 5. März, hat Fillon zu einer Großversammlung am Pariser Trocadéro, in Sichtweite zum Pariser Eiffelturm, aufgerufen. Dort hatte schon Sarkozy 2012 eine Versammlung abgehalten. Fillon möchte demonstrieren, dass trotz der Vielzahl von Rücktrittsforderungen aus der eigenen Parteispitze die konservative Wählerschaft noch hinter ihm steht. POLITICO berichtete unter Berufung auf eine Quelle aus Fillons Umfeld, dass die Teilnehmerzahlen darüber entscheiden werden, ob der Kandidat seinen Kampf gegen die eigene Partei fortführt. Ob er sich diesmal wirklich an eigene Ankündigungen hält, zeigt der morgige Tag.

 

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