Fillon: Machtkampf gewonnen, Wahl verloren

François Fillon hat allem Anschein nach den Machtkampf um seine Position als Präsidentschaftskandidat der konservativen Les Républicains gewonnen. Allerdings vermutlich zu einem viel höheren Preis: Fillon ist dem Élysée-Palast ferner als je zuvor. Eine Chronologie der Ereignisse:

Sonntag:

François Fillon ruft zu einer großen Demonstration am Trocadéro auf, dem Platz in Paris, an dem Touristen die beste Sicht auf den Eiffelturm, das Wahrzeichen der Hauptstadt, haben. Dort hat schon 2012 Nicolas Sarkozy, damals als amtierender Präsident, eine Wahlkampfveranstaltung abgehalten. Anschließend spricht die Kampagne von einer Teilnehmerzahl von 200.000 Menschen – eine Zahl, die nicht nur aufgrund der Nähe zu den Teilnehmerzahlen bei Sarkozys Veranstaltung verdächtig erscheint. Der Platz ist nicht für so viele Menschen ausgelegt. Die Polizei sprach von etwa 40.000 Teilnehmern.

Am Abend tritt Fillon zum Interview bei France 2 an, um seine Kandidatur zu verteidigen. Den medialen „Buzz“ besorgt eine Anklage des Kandidaten an die Adresse der Medien: Diese haben fälschlicherweise vermeldet, seine Frau Penelope habe sich selbst getötet. Eine Fake News in der Fake News – für Fillons Behauptung fehlen jegliche Beweise.

Montag:

Am Morgen tritt Alain Juppé in Bordeaux vor die Kameras. Der unterlegene Kandidat bei den konservativen Vorwahlen verkündet, dass er nicht als „Plan B“ zur Verfügung steht.  Juppé hält eine vielbeachtete Rede, in der er Fillons Angriffe gegen Medien und Justiz kritisiert: „Der Kern der Anhänger der Partei hat sich radikalisiert“, sagt der ehemalige Minister und sagt, dass Fillon sich in einer Sackgasse befindet.

Gleichzeitig weicht der Ton einiger Republikaner Fillon gegenüber deutlich auf: Valérie Pécresse, Präsidentin der Region Ile-de-France, erklärt, dass sie weiter Fillon unterstützt. Auch Nicolas Sarkozy sagt nun, dass er gemeinsam mit Juppé und Fillon an einer Lösung der Krise arbeiten will. Dem stehen über 300 andere Parteivordere gegenüber, die Fillon öffentlich das Misstrauen ausgesprochen haben.

Am Abend tritt das Comité politique der Republikaner zusammen. Es spricht Fillon seine Unterstützung aus.

Ausblick:

Fillon dürfte mit der Unterstützung des Comité politique sein Ziel erreicht haben: Die Kandidatur nicht verlieren. Juppé will nicht mehr als Notnagel dienen und auch wenn sich die Gerüchte um François Baroin, den einflussreichen Bürgermeister von Troyes, halten, wird die Zeit einfach zu knapp: Ein Ersatzkandidat müsste bis zum 17. März 500 Unterschriften von Gewählten bekommen. Zudem wird Fillon nun noch weniger an Rücktritt denken, als zuvor.

Die Wahl könnte nun allerdings schon für Fillon gelaufen sein. Neben seinem zerstörten Image als Saubermann fällt ins Gewicht, dass er den liberalen Flügel der Konservativen nun möglicherweise Emmanuel Macron in die Arme getrieben hat. In den jüngsten Umfragen liegt Fillon ganze acht Prozentpunkte hinter dem Liberalen, der in den letzten Wochen kräftig auch um Mitte-Rechts-Wähler wirbt.

Fotos:

François Fillon: Von Marie-Lan Nguyen – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9050525

Alain Juppé: By Foreign and Commonwealth Office – Flickr, OGL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41374840)

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