Le Grand Débat im Überblick

Am Montagabend schaute Frankreich gebannt zu TF1 um zu sehen, wie sich die fünf aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des Staatspräsidenten unter den Bedingungen eines Fernsehstudios schlagen. In mehr als drei Stunden wurden die Themen Gesellschaft, Wirtschaft und Außenpolitik diskutiert und das nicht selten heftig. So schlugen sich die Kandidaten:

Jean-Luc Mélenchon – Der Debattenkönig

Das war gut: Mélenchon war schon zu Beginn auf Konfrontation eingestellt. Während andere Kandidaten mehr oder weniger ihr Programm abspulten, suchte Mélenchon aktiv die Debatte, griff andere Standpunkte an und erzeugte dadurch einen Redewettstreit. Als geübter Redner fiel es ihm leicht zu brillieren.

Das war schlecht: Sein Vorschlag einer Friedenskonferenz vom Atlantik bis zum Ural um alle Ländergrenzen „neu zu verhandeln“, beispielsweise zwischen Russland und der Ukraine, war sicherlich ein skurriler Höhepunkt des Abends und dann etwas zu viel.

Beste Punchline: Schloss einen Austausch zwischen Hamon und Macron mit einem ironischen „Darüber sollte man in der PS reden!“ ab.

Benoit Hamon – ein Moderator

Das war gut: Wirkte als einziger geistig anwesend, als Mélenchon die europäischen Grenzen neu verhandeln wollte und nahm erst ihn und danach auch Fillon ins Kreuzverhör. Den Job hätten eigentlich die Moderatoren übernehmen können – die waren aber meist mit dem Zuschauen beschäftigt.

Das war schlecht: Hamon versucht weiterhin seinen Verkaufsschlager aus dem Dezember, das bedingungslose Grundeinkommen, anzupreisen. Dabei hat er selbst nun mehrfach den Inhalt dieses Vorschlags verändert und schrittweise zurückgenommen.

Beste Punchline: Warf Marine Le Pen vor, „von den Panorama-Meldungen der Zeitungen besoffen“ zu sein.

Emmanuel Macron – der Allrounder

Das war gut: Macron versuchte grundsätzlich Brücken sowohl nach links, als auch nach rechts zu bauen, war um eine sachliche um ausgeglichene Debatte mit seinen Kontrahenten bemüht und bewies dadurch einen angenehmen Stil. Wirkte auch bei Attacken gelassen.

Das war schlecht: Einige seiner Antworten waren nicht von einem klaren Standpunkt gekennzeichnet, sondern ließen viel Interpretationsspielraum. Das wirkte verunsichernd.

Beste Punchline: „Sie langweilen sich hier doch ohne mich“, sagte Macron an die Adresse von Marine Le Pen nach einer ihrer Dauerattacken.

François Fillon – Der Späte

Das war gut: François Fillon wirkte vor allem in seinem Schlusswort deutlich verändert im Gegensatz zu den letzten Wochen: Keine Schelte gegen Justiz und Medien, sondern sagte: „Ich habe Fehler begangen. Aber wer tut das nicht?“ Der einstige Favorit war zudem stark, als es darum ging, Marine Le Pens Wirtschaftspolitik zu attackieren.

Das war schlecht: Fillon war zu oft „en retard“, hatte also weniger Sprechzeit als seine Gegenüber. Das lag vor allem daran, dass er in der Debatte kaum noch seine Rolle als politischer Saubermann gewinnbringend einsetzen konnte – wenn es um Transparenz ging, wirkte er nicht mehr glaubwürdig.

Beste Punchline: Als Marine Le Pen die Wirtschaft Großbritanniens als Beispiel dafür verkaufen wollte, dass es auch ohne EU gehen kann, erinnerte Fillon sie daran, dass die Briten noch EU-Mitglieder sind.

Marine Le Pen – Die Angstmacherin

Das war gut: Marine Le Pen hatte von allen Kandidaten die längste Redezeit, konnte sich auch mit Vehemenz gegen die Moderatoren durchsetzen. Sie hatte dadurch die Gelegenheit, ihr Programm umfassend darzustellen und viele Attacken auf ihren Lieblingsfeind Macron loszulassen.

Das war schlecht: Ihr wirtschaftspolitisches Programm wurde Le Pen deutlich zum Verhängnis. Im zweiten Teil der Debatte offenbarte sie mehrfach fast schon eine für eine Präsidentschaftskandidatin peinliche Unkenntnis der Faktenlage. Etwa als sie sich zum Themenkomplex Umwelt und Energie äußern sollte und erst einmal den Freihandel zur Umweltbedrohung erklärte. Die vermeintliche Lösung: Lokal produzieren und konsumieren. Erhob den Protektionismus zum Allheilmittel. Leider fehlte bei den Moderatoren hier auch die Kompetenz, kritische Nachfragen zu stellen.

Beste Punchline: Warf Macron vor, endlos zu reden und am Ende doch keinen klaren Standpunkt zu beziehen. Ein Vorwurf, den zumindest auf Twitter schon vor Le Pen auch Anhänger anderer Kandidaten in ähnlicher Weise äußerten.

Fotos-Credits:

Jean-Luc Mélenchon: Foto: Par Jean-Luc Mélenchon avec Nicolas Hulot.jpg: http://www.melenchon.frDerivativework: Adzo.1 — →Cette image a été extraite d’un autre fichier : Jean-Luc Mélenchon avec Nicolas Hulot.jpg, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46917698

Benoît Hamon: Foto: von Jackolan1 (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Emmanuel Macron: Foto: Par OFFICIAL LEWEB PHOTOS — LEWEB 2014 – CONFERENCE – LEWEB TRENDS – IN CONVERSATION WITH EMMANUEL MACRON (FRENCH MINISTER FOR ECONOMY INDUSTRY AND DIGITAL AFFAIRS) – PULLMAN STAGE, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48345540

François Fillon: Foto: Von Remi Jouan – Photo taken by Remi Jouan, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5405429

Marine Le Pen: Foto: Marie-Lan Nguyen — Travail personnel, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10229367

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2 Gedanken zu “Le Grand Débat im Überblick

    1. Das könnte ich mir vorstellen, vorausgesetzt, ich schaffe es diese Debatten anzusehen. Ich fand bereits gestern das Format sehr anstrengend. Eine Debatte hat für mich keinen Zweck, wenn nicht seitens der Moderatoren eine kritische Einordnung, ein Nachhaken oder ein Fakten-Check stattfindet.

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