Warum Valls‘ Unterstützung für Macron niemandem nützt.

Der ehemalige Premierminister und Verlierer der Vorwahlen der Sozialisten, Manuel Valls, hat das angekündigt, was für keinen Beobachter der französischen Wahlen wirklich ein Geheimnis war. Er wird bereits im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen für seinen ehemaligen Wirtschaftsminister Emmanuel Macron stimmen und nicht für den Kandidaten seiner eigenen Partei, Benoît Hamon. Er begründet seine Entscheidung damit, dass es eine Stichwahl zwischen der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen und dem Konservativen François Fillon zu verhindern gilt, da die Kandidatur von Fillon zu sehr unter Skandalen gelitten habe und die Möglichkeit eines Siegs des Front National nicht auszuschließen ist.

Emmanuel Macron selbst hat sich für diese Nachricht bedankt, aber ausgeschlossen, dass Valls Teil einer Regierung im Falle eines Sieges wird:

Der Drittplatzierte der linken Vorwahlen, Arnaud Montebourg, konterte auf Valls: Nun weiß jeder, was das schriftliche Ehrenwort von jemanden wie Valls wert ist: Nichts. Das, was ein Mann ohne Ehre wert ist.

Und auch der gehörnte Kandidat und Gewinner der sozialistischen Vorwahlen, Benoît Hamon, kritisierte Valls‘ Entscheidung als einen schweren Schlag gegen die Demokratie

Der Nutzen dieses Manövers des Ex-Premiers Valls muss hinterfragt werden: Wer hat wirklich was davon, wenn der Zweitplatzierte der linken Vorwahlen sich gegen die eigene Partei entscheidet?

Emmanuel Macron?

Macron bekommt mit jeder neuen Woche neue Anhänger, ob aus den Reihen der Sozialisten oder gar von ehemaligen Ministern der Sarkozy-Regierung. Eine Unterstützung der ehemaligen eigenen Regierung, die Macron wohlgemerkt unter Protest verließ, dürfte kaum zum Storytelling des unabhängigen Kandidaten, der sich eben auch vom schwierigen Erbe der Hollande-Jahre distanzieren will, passen.

Den Sozialisten, die eher zu Macron als Hamon tendieren?

Die hätten tatsächlich keine Ansage von Valls gebraucht. Die können eigentlich in Ruhe die Wahlen abwarten und sich dann der Macron-Bewegung En Marche im Sinne einer konstruktiven Zusammenarbeit anbieten. Da sie im Grunde die parlamentarische Erfahrung und Vernetzung haben, die EM fehlen wird.

Der Parti Socialiste?

Spricht man über Nutzen, muss man auch über den unfreiwilligen Nutzen reden: Könnte Valls unabsichtlich die Kandidatur Hamons gestärkt haben? Das ist auch nicht wirklich zu sehen, denn eigentlich könnte auch an die Adresse Hamons und Montebourgs der Vorwurf mangelnder Loyalität kommen, da sie mit ihrer offenen Rebellion gegen die eigene Regierung 2014 von zu vielen als eigentlicher Urheber dieser Krise angesehen werden. Oder einfach ausgedrückt: Für Außenstehende ergibt sich ein großes Bild des „Wie Du mir, so ich Dir“.

Manuel Valls?

Bleibt also die Frage nach dem persönlichen Nutzen für Valls. Einen Posten in der Regierung im Falle eines Sieges von En Marche zu bekommen, ist ausgeschlossen. Eine Zukunft in der Parti Socialiste, deren Namen Valls ändern wollte und deren linkes Erbe er als Reformkandidat schon lange attackiert hat, ist undenkbar. Sogar die Unterstützung für Macron, so offensichtlich sie schien, ist, einmal ausgesprochen, Anlass für Zweifel: Hat nicht Valls als Premierminister bewusst Macron immer wieder Steine in den Weg gelegt? Der einzige tatsächliche Nutzen für Valls, der bleibt: Die eigene Genugtuung nach einer schmerzhaften Niederlage im Januar. Mutmaßlich wäre es aber für alle Beteiligten besser gewesen, er hätte geschwiegen.

Fotos:

Manuel Valls: By Kommunikation BMW Stiftung Photographer: Lorenz Böck (Own work) [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons

Emmanuel Macron: von OFFICIAL LEWEB PHOTOS [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

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