Warum Kandidaten auf Twitter umbenannt werden

In Frankreich ist der Wahlkampf über Twitter-Hashtags ein nicht unwesentlicher Ort des Schlagabtauschs zwischen Kandidaten. Aufgrund der Möglichkeit, auf Äußerungen von Kandidaten nicht nur zu reagieren, sondern auch bestimmte Hashtags in die allgemeinen Trends zu bringen, bietet sich ein Raum, auf dem dem vor allem das sogenannte Negative-Campaigning, also das Kritisieren gegnerischer Kandidaten, betrieben wird. Derzeit beliebt: Den Namen eines Kandidaten verändern, um ihn abzuwerten.

Aus Emmanuel Macron wird #EmmanuelHollande

Unter dem offiziellen Account der Fillon-Partei Les Républicains wird seit einigen Tagen der Hashtag #EmmanuelHollande mit Aussagen von und über Emmanuel Macron, Kandidat von En Marche, verbreitet. Etwa Nachrichten wie diese:

Dahinter verbirgt sich die Strategie, den ehemaligen Wirtschaftsminister, der als Parteiloser in die Regierung von Manuel Valls berufen wurde, als „Erbe der Amtszeit“ des scheidenden und für viele auch gescheiterten Staatspräsidenten François Hollande zu brandmarken. Das passt aus zwei Gründen: Da mit Benoît Hamon bei den Vorwahlen der Parti Socialiste ein ausgewiesener Kritiker aus den eigenen Reihen Kandidat wurde, kann er nicht als „Erbe Hollandes“ bezeichnet werden. Macron war allerdings erst wirtschaftlicher Berater des Präsidenten und danach Minister für Wirtschaft und Digitales – von allen Kandidaten passt bei ihm der Vorwurf am Ehesten.

Und aus François Fillon #FrancoisBalkany

Macron ließ den Vorwurf nicht auf sich sitzen und bestritt, ein „Erbe des Systems“ zu sein, da er die Regierung 2016 aufgrund einer Ablehnung des damaligen Kurses verlassen habe. Im Interview ging er allerdings auch noch einen Schritt weiter und verpasste Fillon einen eigenen Spitznamen: François Balkany. Unter dem Hashtag #FrancoisBalkany twittern nun vor allem Anhänger Macrons:

Der Name spielt auf den konservativen Abgeordneten und Bürgermeister von Levallois-Perret, Patrick Balkany an, der im Mittelpunkt zahlreicher Prozesse steht. Unter anderem lauten die Vorwürfe: Steuerhinterziehung und Korruption. Aufgrund früherer Verurteilungen und einer davon unberührten langjährigen Karriere in der Politik, gilt Balkany in Frankreich als das Paradebeispiel für Klientelismus. Ein Vergleich mit Fillon liegt nach den Vorwürfen der Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau nicht gerade fern.

Ein Stilmittel der Rechtsextremen

Die Umbenennung der eigenen Konkurrenz als Stilmittel im Wahlkampf hat dabei einen schalen Beigeschmack, denn die ersten, die sich dieses einfachen, aber wirkungsvollen Mittels in den sozialen Netzwerken bedient haben, waren die Anhänger des Front National und von Marine Le Pen, die oft in Frankreich auch unter dem Begriff „la fachosphère“ betitelt werden. Diese gaben Politikern wie Alain Juppé und Benoît Hamon die arabischen Vornamen „Ali Juppé“ und „Bilal Hamon“, um eine ideologische Nähe zum radikalen Islam zu unterstellen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s