Macron und Le Pen in der Stichwahl – 4 Erkenntnisse

Nach den ersten Hochrechnungen ziehen der liberale Emmanuel Macron und die rechtsextreme Marine Le Pen in die Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich ein. Nach den letzten Schätzungen vereint der Ex-Minister 23,7 Prozent der Stimmen auf sich, die Chefin des Front National schafft mit 21,9 Prozent den Einzug in die Stichwahl. Der ehemalige Premierminister François Fillon (19,7 Prozent), der Linke Jean-Luc Mélenchon (19,2 Prozent) verpassen die Stichwahl deutlich. Benoît Hamon, Kandidat der Regierungspartei PS erlebt mit 6,2 Prozent eine deftige Klatsche. Was an diesem Abend wichtig ist:

  • Es ist eine Niederlage für die großen Parteienfamilien der V. République

Nach aktuellen Schätzungen landen die Vertreter von PS und LR addiert bei gerade mal einem Viertel der Stimmen. 2012 waren es im ersten Wahlgang noch für François Hollande 28,6 und für Nicolas Sarkozy 27,1 Prozentpunkte. Es deutet auf ein Ende des bipolaren Parteiensystems in Frankreich hin – vorbehaltlich der Parlamentswahlen, die nun besonders spannend werden.

  • Die unterlegenen PS und Les Républicains rufen zur Mobilisierung gegen Le Pen auf.

Hamon und Fillon riefen unerwartet nachdrücklich dazu auf, für Macron zu stimmen. Hamon verwies auf den Unterschied zwischen einem „politischen Gegner“, aber einem Feind der Republik. Neben Fillon riefen auch weitere Konservative wie Alain Juppé zur Unterstützung Macrons auf. Die beiden Staatspräsidenten Hollande (amtierend seit 2012) und Sarkozy (2007 – 2012) haben sich noch nicht geäußert, Hollande aber bereits Macron telefonisch gratuliert.

  • Es ist ein Sieg für die Umfrageinstitute

Die Hochrechnungen decken sich ziemlich stark mit den letzten Umfragen vor der Wahl. Diskussionen über die Genauigkeit oder Ungenauigkeit der Werte dürften bei dieser Wahl also eine kleinere Rolle spielen. Besonders auffällig ist, dass auch das Abrutschen Le Pens korrekt vorhergesagt wurde:

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Grafik: Jybernard – CC BY-SA 4.0
  • Es bleibt aber spannend

Für Macron ist die Wahl trotz der Unterstützung der unterlegenen ehemaligen Regierungsparteien nicht in trockenen Tüchern. Der linke Kandidat Jean-Luc Mélenchon wird kaum zu einer Stimmabgabe für Macron aufrufen, den er auch als einen „Vertreter des Systems“ sieht. Ebenso könnten sich viele Wähler Fillons am kommenden Wochenende enthalten – und somit Le Pen stärken, die auf eine große Mobilisierung im zweiten Wahlgang angewiesen ist.

Foto Emmanuel Macron: OFFICIAL LEWEB PHOTOS — LEWEB 2014 – CONFERENCE – LEWEB TRENDS – IN CONVERSATION WITH EMMANUEL MACRON (FRENCH MINISTER FOR ECONOMY INDUSTRY AND DIGITAL AFFAIRS) – PULLMAN STAGE, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48345540

Foto Marine Le Pen: Marie-Lan Nguyen — Travail personnel, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10229367

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3 Gedanken zu “Macron und Le Pen in der Stichwahl – 4 Erkenntnisse

  1. Sagt mal, war das bei der Wahl in der USA nicht ähnlich oder bin ich jetzt voll daneben ??? War nicht auch erst Hillary ganz weit vorn und Trump hat doch noch gesiegt in der Stichwahl ? Falls ja, wäre das in Frankreich doch auch möglich oder ?
    Die ganzen Beglückwünschungen von unserer Politik finde ich ganz schön überfrüht…..

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    1. Hallo Claudia,

      ja, Du liegst daneben: Die Wahlsysteme der USA und Frankreich sind unterschiedlich. In den USA gibt es nur einen Wahlgang und keine Stichwahl, entscheidend ist die Verteilung der Wahlmänner in den einzelnen Staaten und nicht die absolute Zahl der Wähler.

      Ein Sieg von Le Pen ist in der Stichwahl durchaus noch möglich, allerdings haben die Umfrageinstitute in Frankreich dieses Mal das Ergebnis sehr genau vorhergesagt – und bislang sprechen die Zahlen deutlich für Macron.

      Beste Grüße

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