Die Anti-Macron-Kampagne des Front National

In der ersten Woche nach dem ersten von vier Wahlabenden, die in diesem Jahr Frankreichs Zukunft ändern werden, haben die Strategie des Front National und seiner Kandidatin Marine Le Pen enthüllt. Wenig überraschend scheint das Kernmotto der Rechtsextremen: Ich höre Euch zu, Emmanuel Macron nicht. Und ich bin wichtiger als meine Partei. Einige Beispiele.

Das Flugblatt des FN an die „Insoumis“

Einige Parteikader scheinen angesichts des großen Rückstands auf Macron vor allem auf die Wählerschaft von Jean-Luc Mélenchon zu zielen, die selbst Macron stark als „neoliberal“ und „Präsident der Banken“ kritisiert. Deshalb zirkulierte schon kurz nach Sonntagabend ein Flugblatt durch die sozialen Medien, in dem angebliche Gemeinsamkeiten zwischen dem Programm des linken Mélenchon und dem Programm von Le Pen gegenüber gestellt wurden. Ein oberflächlicher Vergleich, wie die Décodeurs von Le Monde darlegen.

Die Le-Pen-Show in Amiens

In Amiens, dem Geburtsort von Macron, hat dieser Betriebsräte der Firma „Whirlpool“ getroffen, deren Produktionsstätte von einer Schließung bedroht ist, da in Polen neues Werk eröffnen soll. Während Macron mit den Betriebsräten zusammensaß und diskutierte, tauchte Le Pen ohne Vorankündigung vor dem Betriebsgelände auf und ließ sich zusammen mit den Arbeitern, die von der Entlassung bedroht sind, fotografieren, sprach mit ihnen, versprach das Werk mit aller Macht am Leben zu halten. Als Macron später auftauchte und ebenfalls mit den Arbeitern reden wollte, wurde er ausgepfiffen und konnte nicht mehr sagen als, dass er als Präsident keine falschen Versprechungen machen werden. Doch gerade solche Worte ziehen im Wahlkampf selten.

Wie inszeniert dieser Medien-Coup von Le Pen war, zeigt sich an einem Foto, das auf Twitter die Runde macht: Die Rechtsextreme lächelt sichtlich erfreut über ihren Auftritt, während eine Mitarbeiterin von Whirlpool pure Verzweiflung zeigt:

Oder daran, dass FN-Kader bewusst neben Sandwiches und politischen Trakten auch Trillerpfeifen verteilten:

Kampagne der Bilder

Es ist zu einer Kampagne der Bilder geworden, in der bislang Le Pen das Spiel beherrscht – obwohl sehr vieles nur eine allzu schöne Fassade ist, wie etwa das Posieren mit Fischern, die sich von Europa bedroht fühlen:

Das erschwert die Arbeit von Macron, der mit seinem Festessen im Restaurant Rotonde oder zusammen mit französischen Stars und Sternchen eher schlechte Bilder produziert. Da hilft auch kein kleiner viraler Hit, der inhaltlich belanglos erscheint:

Der unsichtbare FN

Tatsächlich scheint Le Pen zu helfen, dass sie sich als „Zuhörerin“ der Probleme Frankreichs inszeniert und dabei ihre Partei komplett aus der öffentlichen Darstellung heraushält. Denn dort werden gerade die Nachrichten produziert, die ihr wirklich schaden: Etwa das der Interims-Vorsitzende der Partei Jean-François Jalkh noch vor Amtsantritt den Posten wieder räumen musste, als bekannt wurde, dass er den Holocaust öffentlich angezweifelt hat. Und auch die neuesten Ermittlungen in der Affäre der Scheinbeschäftigungen am Europaparlament werfen ein schlechtes Licht auf Le Pen und ihren inneren Zirkel. Leider scheinen hier die starken Bilder zu fehlen, die diese zwei Ereignisse zu echten Wahlkampfthemen werden lassen könnten.

Foto: Blandine Le Cain — Meeting 1er mai 2012 Front National, Lizenz: CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35626039

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s