TV-Debatte: Der Offenbarungseid von Le Pen

Die letzte TV-Debatte vor der Stichwahl um das Präsidentenamt zwischen Marine Le Pen und Emmanuel Macron hat nicht viele neue Erkenntnisse gebracht. Außer vielleicht dass weder Laurence Parisot, noch Christiane Taubira unter einem Präsidenten Macron das Amt der Premierministerin ausüben werden. Aber das war es auch fast schon, denn in mehr als zweieinhalb Stunden entwickelte sich statt einer inhaltlichen Debatte ein verbaler Schlagabtausch ohne Ziel, den Le Pen deutlich verlor.

Bereits zu Beginn spulte Le Pen das Programm der vergangenen Wochen ab – konfrontierte Macron mit vielen einzelnen Vorwürfen, die alle zusammen das Bild des „Kandidaten der Banken“, des „Nachfolgers von Hollande“ zeichnen sollte. Dabei wirkte die Rechtsextreme nicht sortiert, musste häufig von ihren zahlreichen Unterlagen ablesen. Macron konterte, dass Le Pen sogar am Namen als Nachfolgerin ihres Vaters zu erkennen sei und auch weiter eine rechtsextreme Politik vertrete.

Le Pen verwechselt SFR und Alstom

Einen besonders peinlichen Moment hatte Le Pen, als sie Macron den Verkauf des Telefonanbieters SFR vorwarf – nur irrte sie sich in der Annahme, dass dieser damals bereits Minister gewesen sei. Ihr Gegenüber korrigierte sie in der Sendung und verwies darauf, dass sie wohl vom falschen Zettel ablese. Daraufhin bemerkte sie selbst, dass sie doch eigentlich über den Turbinen-Hersteller Alstom sprach.

Lügen und Ungenauigkeiten

Die Debatte verhaftete in diesem Muster: Obwohl Le Pen mehrfach von den beiden Moderatoren Nathalie Saint-Cricq und Christophe Jakubyszyn, irgendwann sogar von Macron selbst, dazu aufgefordert wurde, Vorschläge zu konkretisieren, blieb sie die meiste Zeit im Angriffsmodus gegen ihren Gegenüber, warf diesem Untätigkeit oder eine schlechte Bilanz vor, verlor sich in Anekdoten. Ihr Pech: Macron war im Gegensatz zur FN-Kandidatin sehr gut vorbereitet, korrigierte etwa Le Pens Lüge, Frankreichs EU-Mitgliedschaft koste im Jahr 9 Milliarden Euro (in Wahrheit liegen die Nettozahlungen etwa bei 6,1 Milliarden Euro).

In den wenigen Momenten, in denen Le Pen versuchte, tatsächlich Vorschläge zu erörtern, glitt sie ins Absurde oder Unverständliche ab. Zur Terroristenabwehr forderte sie die Wiedereinführung von Grenzkontrollen und sagte, dass Zollbeamte die Terroristen an der Einreise hindern würden. Ebenso hielt sie an ihrer Forderung fest, den Franc als nationale Währung im alltäglichen Zahlungsverkehr wieder einzuführen, aber den Euro als Währung der Zentralbank beizubehalten.

Eine Debatte ohne Happy End

Das Ende der Debatte unterstrich noch einmal Le Pens mangelnde Überzeugungskraft: Als beide Kandidaten zwei Minuten Zeit bekamen, noch einmal ein eigenes Thema zu setzen, überzog sie ihre Redezeit, um erneut Macron zu attackieren. Selbst Macron fiel sie zum Abschluss noch ins Wort, als dieser den Abend aus seiner Sicht noch einmal auf den Punkt brachte:

Marine Le Pen hat in ihrem Schlusswort noch einmal Lügen verbreitet, ohne ein Wort darüber zu verlieren, was sie für das Land tun will. Ich will niemandem, der von der Misere profitiert oder die Wut der Menschen ausnutzt. Frankreich hat etwas Besseres verdient…

Macron wirkte auf der Höhe des Geschehens, gut vorbereitet und auch mit der gebotenen Härte ausgestattet, gegen Le Pens Lügen anzukämpfen. Negativ könnte man ihm anlasten, dass seine Antworten irgendwann oberlehrerhaft oder arrogant wirkten – allerdings behielt er dabei im Gegensatz zu Le Pen seine Gestik im Griff und wirkte nicht wie die Karikatur seiner selbst:

Es stellt sich die Frage, inwiefern die Debatte Einfluss auf den Wahlkampf haben wird. Für die Wähler beider Kandidaten wird es kaum Auswirkungen geben, da diese sich überwiegend ihrer Wahl sicher sind. Le Pen könnte höchstens von einer starken Demobilisierung der Wähler Macrons oder von einer urplötzlichen Mobilisierung unentschiedener Wähler (etwa von Mélenchon oder Fillon) profitieren. Nach diesem Abend werden enttäuschte Wähler dieser Kandidaten ob der mangelnden Vorbereitung Le Pens kaum für diese zu gewinnen sein.

Foto: Screenshot France 2

Advertisements

Ein Gedanke zu “TV-Debatte: Der Offenbarungseid von Le Pen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s